Mein 44. Geburtstag und der Elefant

Heute ist mein 44. Geburtstag und ich möchte Dich gern an einem Geschenk teilhaben lassen, was ich gerade erhielt.

Der Elefant der Vergangenheit

Als ich ein Kind war (und auch noch darüber hinaus) galt meine Liebe immer den Stofftieren. Mit Puppen habe ich nie etwas anfangen können. Es geht sogar noch darüber hinaus, Puppen empfand ich immer als regelrecht gruselig. Sie hatten für mich immer etwas Lebloses und Unheimliches. Ich glaube, das ist auch heute noch so. Stofftiere hingegen, gaben mir immer ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit. Meine erste große Liebe einem Stofftier gegenüber galt meinem Elefanten. Ich bin nirgends ohne meinen Elefanten hingegangen. Ich habe ihn immer dabei gehabt. Noch heute kann ich ihn vor mir sehen, wie „zerschnuffelt“ er ausgesehen hat. Trotzdem liebte ich ihn über alles.

Ich habe nicht viele Erinnerungen an meine Kindheit, doch an diese erinnere ich mich genau. Meine Mutter, mein Vater und ich waren in einem großen Supermarkt einkaufen. Ich war noch sehr klein, um die 5 Jahre vielleicht. Ich erinnere noch, wie ich durch den riesigen Gang gefüllt mit einer unzähligen Anzahl an Stofftieren ging. Auf meiner Höhe kam ich an einem Regal, welches über und über gefüllt mit Stoffelefanten war, vorbei. Und dann muss es passiert sein. Ich muss meinen geliebten Elefanten aus meiner Hand genommen und ihn zwischen die anderen gelegt haben, damit ich mir die anderen besser anschauen konnte. Ich weiß nicht mehr genau, ob es mir noch im Supermarkt oder erst später im Auto aufgefallen ist, dass er weg war. Ich erinnere nur noch, wie ich im Auto weinte und weinte. Und dieses eine Mal hatte meine Mutter tatsächlich erbarmen. Sie ging mit mir zurück in den Supermarkt und suchte im Regal nach meinem Elefanten. Doch er war weg. Mein Freund, der sich meine Sorgen anhörte, mein Beschützer, der auf mich aufpasste, wenn ich wieder einmal schreckliche Angst hatte, mein Tröster, der alle meine Tränen in sich aufnahm, er war auf einmal nicht mehr da. Eine kleine große Welt brach für mich zusammen.

Der Elefant der Gegenwart

Viele Jahre, oder bei manchen sogar Jahrzehnte, habe ich darauf gewartet, auch nur ein einziges „Es tut mir leid“ aus dem Munde derer zu hören, die mich so sehr verletzten. Bis heute habe ich von keinem dieser Menschen diesen Satz gehört. Ich denke, Du wirst diesen Schmerz und diese Wut kennen, die damit verbunden sind. Und wie sehr diese Sehnsucht einem unsichtbare Fesseln anlegt, die einen daran hindern, sich zu befreien. In meinem Buch beschreibe ich Dir, wie sich diese Sehnsucht nach diesem einzigen Satz loslassen und für mich tatsächlich Frieden finden konnte. Zugegebener Maßen, ein nicht immer einfacher Weg.

Heute, an meinem 44. Geburtstag, öffnete ich das Päckchen meiner Mutter und es war ein kleiner, süßer Stoffelefant enthalten. Ich nahm den Elefanten in die Hand und wusste sofort, dass es eine Botschaft meiner Mutter war, die sie niemals aussprechen könnte. Meine Mutter ist heute 77 Jahre alt, nicht wirklich gesund und sehr einsam. Dieser Elefant ist für meine Mutter ihre Art mir zu sagen „Es tut mir leid.“ Vielleicht sogar noch mehr. Vielleicht möchte sie mit diesem Elefanten auch sagen „Ich liebe Dich.“ Etwas, was sie bis heute nie zu mir gesagt hat.

Warum ich das nun heute mit Dir teile? Ich bin mir ziemlich sicher, dass, wenn ich nicht die Fährten verfolgt und die Abdrücke auf meinem Herzen geheilt hätte, dieser Elefant mir heute keine Freude, weil ich ihn wirklich süß finde, bereiten würde, sondern neuen Kummer und Schmerz. Dann wären vielleicht Sätze in mir hoch gekommen, wie „Jetzt brauchst Du Dich auch nicht mehr zu entschuldigen!“. Oder, „Kannst Du es mir nicht einfach nur einmal sagen?“ Oder welche Sätze auch immer meinen Schmerz und meinen Kummer ausdrücken könnten. Doch dies ist nicht mehr der Fall. Heute erfreue ich mich an diesem kleinen Kerlchen. Und die Botschaft, welcher Art sie auch immer sein mag, ist nicht wichtig für mich, weil ich nicht mehr von der Zuneigung meiner Mutter abhängig bin. Und dies bedeutet für mich Freiheit. Und das fühlt sich richtig gut an.

Auch heute passiert es immer wieder, dass Menschen mir weh tun. Manchmal sogar richtig doll. Und ich glaube, eine Entschuldigung habe ich bisher in den aller seltensten Fällen gehört. Du kennst dies wahrscheinlich auch. Und genau deswegen teile ich dies heute mit Dir. An einem für mich wirklich schönen Tag. Ich teile dies mit Dir, um Dir zu sagen, warte nicht darauf, dass ein anderer Deine Abdrücke, Deine Wunden auf Deinem Herzen heilt, sondern heile sie selbst. Übernimm für Dich die Verantwortung und heile Dich selbst. Sei es Dir wert!

Der Link zum Buch

Loslassen – Freiheit und das größte Geschenk

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