Ich bin eine einsame Insel – oder lieber doch nicht?

Asiatischer Baum in Planten und Blumen Hamburg - einsame Insel
Ich bin eine einsame Insel – oder lieber doch nicht?

Als ich am Wochenende an diesem Baum vorbei gekommen bin, hatte ich diesen Satz sofort im Kopf „Ich bin eine einsame Insel – oder lieber doch nicht?“

Ich stand vor diesem Baum und betrachtete ihn von allen Seiten. Und er erinnerte mich unweigerlich an mich.
An mich und an meine Sicht auf die Gesellschaft, in der ich lebe. Man könnte vielleicht sogar noch weiter gehen und sagen, dieser Baum spiegelte genau meine Sicht über das Kollektiv wider. Denn ja, ich habe tatsächlich immer von mir gedacht, ich sei eine Insel. Eine einsame Insel, die nur allein von mir bewohnt wird. Auf anderen Inseln leben vielleicht mehr Menschen in Gemeinschaft, doch meine bewohnte ich allein. Allein, abgetrennt von allen anderen und doch irgendwie verbunden. Was es war, was mich mit den anderen Inseln verband, wusste ich nicht.

Mein Insel-Leben damals

Mein Insel-Leben war aber keineswegs schlecht oder fühlte sich unangenehm an. Nein, ich denke, ich war ganz zufrieden auf meiner Insel. Auf meiner Insel konnte ich ganz allein entscheiden. Ich traf die Entscheidungen darüber, wie es auf meiner Insel aussah, was ich auf meiner Insel tat oder womit ich mich beschäftigte. Doch der wirklich ausschlaggebende Punkt war der, dass mich niemand auf meiner Insel verletzen konnte. Es konnte mich niemand verletzen, oder mir ernsthaft weh tun, weil niemand dicht genug an mir dran war. Ok, es war so manches Mal einsam, aber eben auch sicher und die anderen Inseln waren ja zum größten Teil in Sichtweite, also fühlte ich mich nicht allein. Ich sah sie ja. Doch ich unterschätzte diesen riesengroßen Unterschied zwischen Einsamkeit und Alleinsein.

Wenn Du mein Buch gelesen hast, erinnerst Du Dich bestimmt an den Satz „Wenn der Leidensdruck größer ist als die Angst entsteht Mut.“ Und ich schätze, dies war der Grund warum ich immer Mal wieder Menschen zu mir auf die Insel eingeladen habe. Der Leidensdruck meiner Einsamkeit war größer als die Angst Menschen auf meine Insel zu lassen. Da ich aber nie genug Vertrauen aufbauen konnte, machte ich immer einen entscheidenden Fehler. Ich ließ immer nur ein, zwei oder ganz vielleicht mal drei Menschen zeitgleich auf meine Insel. Was mir oftmals ein riesengroßes Dilemma einbrachte, was du vielleicht im Buch gelesen hast.

Aber warum brachte es mir dieses Dilemma? Es brachte mir dieses Dilemma, weil ich es nicht zuließ, dass mehr Menschen auf meine Insel kamen. Menschen, die mir hätten helfen können. Menschen die mich hätten beschützen können und auch Menschen, die mir hätten helfen können, die Wahrheit zu erkennen. Menschen, die mir hätten Freund sein können.

Mein Insel-Leben heute

Du fragst dich, ob ich heute immer noch auf einer Insel lebe? Klar tue ich das. Ich lebe nach wie vor auf meiner Insel. Nur es gibt einen entscheidenden Unterschied. Das Wörtchen „einsamen“ habe ich gestrichen. Ich entscheide heute immer noch allein, wer auf meine Insel darf und wer nicht. Aber heute lasse ich mich von meinem Vertrauen leiten. Meine Insel ist schön und ich möchte sie teilen.

Und ich mache noch etwas, ich teste immer mal wieder die Inseln der anderen um mich herum. Was auch eine neue Erfahrung ist, denn bisher hatte ich meine Insel nicht verlassen. Bei diesen Besuchen stelle ich dann immer wieder fest, dass sie vielleicht ganz anders sind, diese anderen Inseln. Sie sind anders bewachsen und anders gestaltet, aber auf ihre Weise ebenso schön wie meine. Ich nehme auch immer öfter immer mal wieder etwas von den anderen Inseln mit und probiere es auf meiner Insel aus, um dann erstaunt festzustellen, dass es auch auf meiner Insel gedeiht, funktioniert und sie interessanter macht.

Ich bin eine einsame Insel – oder lieber doch nicht?

Die Antwort auf diese Frage lautet für mich „Nein, lieber doch nicht.“

Ich habe es als große Bereicherung erkennen können, dass es wirklich schön ist, sich Menschen zu öffnen und ihnen Vertrauen zu schenken. Wenn man gefühlt ohne Liebe und Zuneigung aufgewachsen ist, immer das Gefühl hatte, nicht gewollt und nicht erwünscht zu sein, setzt man diese Erfahrungen und Empfindungen im Älterwerden immer weiter fort. Man erschafft sich die Realität, die diese Erfahrungen und Empfindungen bestätigen. Dadurch wird die Insel immer einsamer und die Überzeugung immer größer, dass es besser ist, allein auf dieser Insel zu leben.

Dies mag auch vielleicht für manche Menschen ihr Lebensweg sein, der sich für sie richtig anfühlt. Doch für mich war er es nicht bzw. war er es irgendwann nicht mehr. Dies führte dazu, dass ich die Grenzbestimmungen meiner Insel langsam lockerte. Und so kamen und kommen langsam immer mehr Menschen auf meine Insel oder ich besuche sie auf ihrer.

Bei meinen Ausflügen auf die anderen Inseln habe ich festgestellt, dass es zwar eine optische Trennung zwischen uns Inseln, mit unterschiedlich vielen Bewohnern auf ihnen, gibt, aber es gibt auch eine Verbindung zwischen uns. Mal ist sie stärker ausgeprägt, mal ist sie noch ganz zart. Ganz genau so, wie die Äste dieses Baumes, die seine „Inseln“ miteinander verbinden. Doch Fakt ist, dass es diese Verbindung gibt. Vielleicht ist die Bedeutung dieser Verbindung nicht für uns alle gleich. Vielleicht geben wir ihr unterschiedliche Namen. Aber es gibt sie.

Wie ist es mit Dir und Deiner Insel?

Bis zum nächsten Beitrag,

Deine Petra

Das Abbild im Außen = Das Bild im Innen?

2 thoughts on “Ich bin eine einsame Insel – oder lieber doch nicht?

  1. ………..da sitze ich jetzt auf „meiner“ ausgewählten insel La Gomera und entdecke das Sinnieren von Dir über Dein Inseldasein…..sehr schön, sehr inspirierend….liebe Petra. Dann werd ich Dich mal weiterverfolgen und mal sehen, was mir zu Dir und Deinen Gedanken einfälllt.
    Dein Buchendedatum ist übrigens mein Geburtstag… Es gibt keine Zufälle.

    1. Liebe Kerstin,
      ich danke dir! Genieße die Zeit auf „deiner“ Insel!! …und nein, es gibt keine Zufälle 😉

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