Die zwei Wölfe und die Sache mit dem Karma

Ein alter Cherokee-Indianer sitzt mit seinem Enkelsohn am Lagerfeuer. Er erzählt ihm eine Geschichte:

Mein Junge, in jedem Menschen leben zwei Wölfe, die manchmal miteinander kämpfen. Der erste heißt Angst und kennt nur Hass, Misstrauen, Feindschaft und Kampf. Der zweite heißt Liebe und ist voller Vertrauen, Freundschaft, Hoffnung und Frieden.

Der kleine Junge schaut eine zeitlang ins Feuer. Dann fragt er „Welcher Wolf gewinnt?“ Der alte Indianer schweigt. Nach einer Weile spricht er: „Der, den Du fütterst.“

Dieses indianische Sprichwort lief mir gestern bei Facebook über den Weg. Ich musste lachen, als ich es las, denn genau damit habe ich mich gerade auf eine ganz neue Art und Weise auseinandergesetzt. Nur dass es bei mir keine zwei Wölfe waren, sondern zwei Stiere. 😉

In einem der letzten Videos hatte ich euch ja kurz angedeutet, dass meine letzten Wochen ziemlich turbulent waren. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, glichen sie wohl eher einer Achterbahnfahrt. Es gab so viele Auf´s und Ab´s in einem so rasanten Tempo, dass ich selbst kaum hinterher kam. Wenn meine Mitbewohnerin und ich uns am Morgen verabschiedeten, taten wir dies schon mit den lachenden Worten „Mal schauen, was der Tag heute wieder bringt. Ich bin gespannt, was Du heute Abend zu erzählen hast!“

Ich mag es sehr, wenn mein Leben mich jeden Tag aufs Neue überrascht. Sich die Dinge von jetzt auf gleich ändern und immer wieder etwas Neues entsteht. Ich mag es, weil ich daran wachse. Doch wenn die Achterbahn in Dauerschleife fährt und es scheinbar gar keine Pausen mehr gibt, dann wird die Fahrt anstrengend und kostet Kraft. Wenn ich an diesen Punkt ankomme, dann bin ich mittlerweile so fürsorglich mit mir selbst, dass ich mir bei einem Menschen meines Vertrauens Rat und Hilfe hole. Ich öffne mich diesem Menschen und bitte ihn aus seiner Sicht auf meine Lebenssituation zu schauen.

Der Wolf namens Angst – oder der große schwarze Stier

So saß ich also einem HP Kollegen und Meister der TCM gegenüber. Er ließ mich ganz kurz umreißen, warum ich ihn aufsuchte. Er schaute mich an, beobachtete mich und nach seiner Pulsdiagnose und einem intensiven Blick auf meine Zunge sagte er ganz klar und unvermittelt zu mir: „Petra, Dein Herz ist nicht offen.“ Ich daraufhin „Wie bitte??!!??“ Ich dachte mir, das kann er doch nicht ernsthaft meinen. Doch er wiederholte völlig unbeeindruckt von meiner Entrüstung seine Worte: „Petra, Dein Herz ist nicht offen.“ Und dann tobte es in mir. Der Wolf mit dem Namen Angst oder besser mein großer schwarzer Stier, tobte wie verrückt. Er wehrte sich vehement gegen das soeben Gehörte. Ich hatte sofort einen wütenden inneren Monolog in meinem Kopf: „Was bildet der sich ein!! Der ist doch bestimmt 15 Jahre jünger als ich und glaubt mir sagen zu müssen, dass mein Herz nicht offen ist??!!! Nach all dem, was ich an mir in den letzten Jahrzehnten gearbeitet habe!! Der spinnt doch!!“ Da besagter HP wirklich ein Guter auf seinem Gebiet ist, spürte er sofort meine innere Ablehnung, die ich nach außen hin natürlich zu verbergen versuchte und setzte dem ganzen noch eins drauf: „Passt Dir nicht, was ich eben gesagt habe? Du kannst Dich gerne dagegen wehren, aber es ist so.“

Nach diesen Sätzen hatte ich meinen Stier fast nicht mehr unter Kontrolle. Er wuchs zu seiner vollkommenen Größe und Stärke heran. Mein Stier oder der Wolf namens Angst, auch bekannt unter dem Namen Ego, war außer sich. Ich war wirklich kurz davor aufzustehen. Wenn ich jetzt an diese Situation zurückdenke, muss ich mich so kaputt lachen. Aber zu dem Zeitpunkt fand ich es alles andere als lustig. Doch ich stand nicht auf. Ich hörte mir noch weitere Sätze an, die mir alles andere als gefielen. Mein Stier schnaubte und tobte, aber ich hörte zu, was mein „Meister“ mir zu sagen hatte. Und ich tat noch etwas, ich hörte ihm nicht nur zu, sondern ich befolgte auch seinen Rat. Er war der Meinung, dass mein Herz von Wut blockiert sei und ich in den Wald gehen sollte, um diese Wut dort heraus zu lassen. Diese Aussicht auf hemmungsloses Toben besänftigte meinen Stier ein wenig.

Die Wölfe und das Karma

Mittlerweile bin ich zweimal im Wald gewesen und habe dort meiner Wut ihren Raum gegeben, indem ich mit einem Ast auf dem Boden geschlagen habe. Ich gebe zu, zu Anfang fühlte ich mich ziemlich dämlich dabei. Doch dann habe ich mich immer weiter in meine Wut hineingesteigert und mit voller Wucht mit dem Ast auf den Boden gehauen. Wobei ich mir dann auch richtig weh getan habe, was meine Wut natürlich noch vergrößerte. Doch dann irgendwann, war die Wut weg und ich musste lachen. Ich musste über mich und die Situation lachen und ich musste lachen, weil ich mich wirklich erleichtert gefühlt habe.

Ich glaube an Reinkarnation. Ich glaube auch daran, dass wir einem gewissen Seelenplan folgen, den wir vor erneuter Inkarnation festlegen. Und ich glaube auch daran, dass wir Karma aus vergangenen Leben in jede neue Inkarnation mitnehmen. Am zweiten Tag im Wald habe ich für mich begriffen, dass ich tatsächlich darauf am meisten wütend war. Ich war wütend darauf, dass meine Seele sich so einen beschi***nen Plan für diese Inkarnation ausgesucht hat. Und noch viel wütender war ich darauf, dass ich nicht wusste, wie es weitergeht. Wie sieht dieser Seelenplan für mich aus? Geht es immer so weiter, dass ich von einer Lernaufgabe zur nächsten purzel? Geht es immer so weiter, dass ich Karmaschuld um Karmaschuld begleiche? Als ich mir diese Fragen stellte, haute ich mit dem Ast so doll ich konnte. Ich steigerte ich so richtig schön rein. Und auf einmal kam mir der Satz „Ich habe meine Karmaschulden beglichen.“ Irgendwo aus meinem tiefsten Inneren kam dieser Satz in mein Bewusstsein. Ich hörte auf mit dem Ast auf den Boden zu hauen. Ich ließ mir den Satz sprichwörtlich auf der Zunge zergehen. Und kam dann zu dem Entschluss: „JA, ich habe meine Karmaschulden für dieses Leben beglichen. Ich habe alles bezahlt.“ Und dies waren nicht nur Sätze in meinen Gedanken. Nein, es war ein mich komplett einnehmendes Gefühl. Es war die Wahrheit.  Der Wolf mit dem Namen Liebe oder mein großer weißer Stier, zeigte seine volle Schönheit und Präsenz. Er tat dies jedoch ohne sein Pendant dabei ganz zu verdrängen. Nein, vielmehr war es so, dass beide gleich viel Raum und gleich viel Präsenz einnahmen.

Die Balance der beiden Wölfe und die Selbstbestimmung

Ich frage euch nun, was wäre, wenn wir Menschen tatsächlich bestimmen können, wann wir unsere Karmaschuld in diesem Leben beglichen haben? Ist dies so abwegig, dass wir die Macht zur Selbstbestimmung haben? Ich glaube nicht. Ich denke, wir haben durchaus die Macht dazu. Wenn wir nicht nur mit unserem Verstand, sondern auch mit unserem Herzen erkennen was um uns und aus welchem Grund geschieht, dann fangen wir an zu wissen. Und wenn wir dieses Wissen in uns fühlen, dann haben wir die Macht. Dann haben wir die Macht zur Selbstbestimmung.

Mir war mehr oder weniger schon immer bewusst, dass es diese beiden Wölfe mit den Namen Angst und Liebe oder eine dunkle und eine helle Seite oder, wie bei mir persönlich, einen schwarzen und einen weißen Stier, in jedem Menschen gibt, doch ich hatte bisher immer einen fatalen Denkfehler dabei. Ich dachte immer, dass die dunkle Seite, mein schwarzer Stier, keinen Raum einnehmen darf. Ich war immer der Meinung, dass ich ihn kontrollieren und einsperren müsste. Doch das stimmt nicht bzw. das ist falsch. Denn es gibt einfach diese beiden Polaritäten im Universum und auch in uns. Der eine Pol, kann nicht ohne den anderen existieren. Kein Licht ohne Schatten, kein Gut ohne Böse, kein Warm ohne Kalt und kein Wolf mit dem Namen Angst ohne den Wolf mit dem Namen Liebe.

Und ich bin mir sicher, dass es genau darum geht. Es geht darum, beide Seiten wertzuschätzen. Beide Seiten zu sehen, wirklich zu sehen und keinem Wolf mehr Raum zu geben als dem anderen. Denn dann haben sie gar keinen Grund miteinander zu streiten. Wir sind wundervolle Wesen. Wir haben die Vielfalt der Emotionen. Und wir dürfen sie ausleben. Nur bitte so, dass wir niemand anderen verletzen. So viele von uns Menschen tragen so viel Wut und auch Schmerz in sich und schleudern diese Wut unkontrolliert anderen Menschen entgegen, die an sich mit der Wut oder dem Schmerz nicht wirklich viel zu tun haben. Und das darf nicht sein.

Es geht um Balance. Denn nur wenn etwas in Balance ist, dann ist es in Harmonie. Und Balance entsteht nur, wenn alles im Gleichgewicht ist. Vielleicht ist es ja auch gerade bei Dir an der Zeit, ein wenig Wut, wo auch immer sie herkommen mag, heraus zu lassen? Wenn Du anfängst ihr Raum zu geben, wirst Du schon wissen woher sie kommt. Probiere es doch einmal aus! Gehe in den Wald, power Dich aus beim Sport oder was auch immer Dir einfällt, um Deiner Wut ihren Raum zu geben. Steigere Dich so richtig schön rein und lass´alles raus, was geht, bis Du keine Kraft mehr hast und ebenfalls anfängst zu lachen.

Ich wünsche Dir viel Freude dabei!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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